6. Familientag der Röger

vom 30.Mai - 2. Juni 1996 in Benneckenstein im Harz

Donnerstag, den 30. Mai

Über teilweise holperige Straßen der ehemaligen DDR erreichten wir glücklich und interessiert den landschaftlich schönen Harz und in Benneckenstein um etwa 18 Uhr das “Hotel Harzhaus”. Hier trafen wir bereits ca. 20 Röger aus Eitorf, Flein, Niederstotzingen, Ulm, Kupferzell u.a. an. So saßen wir im “familiären” Kreise beisammen.

Freitag, den 31. Mai

Nach dem offiziellen Hissen des Grünenpläner Banners am Mast vor dem Tagungshotel als sichtbares Zeichen der Verbundenheit der Familien beider Orte nahm uns Herr Dörge als heimischer Wanderführer in Empfang. Bei herrlich-schönem Wetter wanderten wir, vorbei an der Sprungschanze und der Waldbühne zum “Waldschlößchen” und dann durch Wälder und Täler bis zur wunderbaren Aussichtshöhe mit freiem, klaren Blick auf das gewaltige Brockenmassiv und den Wurmberg bei Braunlage nebenan.

Das gemeinsame Mittagessen nach der Rückkehr zum Hotel machte uns mit dem bodenständigen “Hackus un Knieste” zum Sattwerden bekannt. Kurz nach 13 Uhr holte uns dann ein Bus zur Harzrundfahrt ab. Über Tanne, Königshütte mit dem Zusammenfluß der warmen und der kalten Bode und Elbingerode erreichten wir das schmucke Harzstädtchen Wernigerode.

Mit den Erzählungen und anschaulichen Erläuterungen unseres Fahrer konnten wir die Fahrt recht erleben. Mit einem Umsteiger in die luftbereifte “Wernigeröder Bimmelbahn”, die so manche Unebenheit des Bodens “erfahren” ließ, ging es durch Straßen der Altstadt den Berg hinauf zum Schloß der Grafen zu Stolberg-Wernigerode. Von der Schloßterrasse hatten wir einen weiten Blick in die Umgebung und die Stadt zu unseren Füßen. Bei Erdbeertorte, Kaffee und Eis saßen wir in gemütlicher Rast zusammen. Ein Rundgang durch das prächtige Schloß-Museum, nach etlichen Bauepochen wesentlich aus der 2. Hälfte des 19. Jh., ließ erahnen, wie künstlerisch hochstehend und reich die Grafenfamilien hier einst gelebt haben. Besonders beeindruckend waren die Intarsienarbeiten in Schränken, Böden und Decken. Mit bequemem Abstieg, wieder mit der “Bimmelbahn”, erreichten wir den Stadtkern mit dem wunderschönen, historischen Rathaus aus der Mitte des 16. Jhd. mit seinen 2 spitzen Ecktürmen. Es ist als Kleinod und mit dem lebendigen Markttreiben der Mittelpunkt der Stadt. Ein kurzer Rundgang führte uns noch in die nahen Altstadtstraßen und ließ uns auch hier die kunstvollen Hausfassaden bewundern.

Unser Bus führte uns dann zurück über Hasserode durch das schöne Drängetal, vorbei am Lossen-Denkmal für den bedeutenden Harzgeologen Karl August Lossen, und Drei-Annen-Hohne nach Schierke mit einer kleinen Runde durch den schönen Ort, der Talstation der “Brockenbahn”. Bei der Weiterfahrt erreichten wir mit einigem Stottern des Motors gerade noch abwärts den Bahnhof Elend der Harzquerbahn. Wie rein zufällig kam auch gleich darauf eine Lok mit 4 Waggons um die Ecke geschnauft und nahm uns bereitwillig für die letzte Etappe über Tanne bis Benneckenstein mit, nicht ohne unterwegs pfeifend und fauchend die Strecke zu betonen. Als wir dann am Ziel wieder unseren Bus für die letzte Wegstrecke zum Hotel erkannten, lachte man doch froh über diesen eingebauten Scherz.

Nach dem Abendessen, nicht nur bei Harzkäse, hielt uns Herr Pluschke, der bekannte Vogelfreund aus Benneckenstein, einen anschaulichen Vortrag über Vogelhaltung, Vogelzucht, Waldvögel allgemein und das “Finkenmanöver”, ein traditioneller Volkswettstreit an einigen Harzorten, im besonderen, wobei den abgespielten Vogelstimmen vergnüglich gelauscht wurde. Aber auch des “Harzer Rollers”, des Kanarienvogels mit seinen typischen Koloraturen, den Imbster Bergknappen einst aus Tirol mit in den Harz brachten, wurde gedacht. Die Zucht dieses beliebten, “goldigen” Sängers wurde früher allgemein in den meisten Häusern der Betagteste, besonders in St. Andreasberg, betrieben. Herr Räger knüpfte zu seinen Ausführungen über die Röger-Ausstellung hier an und berichtete, wie die Grünenpläner diese Zucht weiter gepflegt hatten und mit den Familien Reiche und Ruhe daraus einen blühenden Handel nach Osteuropa und nach Übersee entwickelten. Die weltoffene Einstellung der erfolgreich zurückkehrenden Vogelhändler hat unverkennbar auf das Gemeinwesen des heimatlichen Hilsortes gewirkt.

Zur Vorgeschichte und zur Begründung der Benneckensteiner Abstammung führte Herr Räger jenen Friederich an, der mit seinem Freund Engelke aus Zorge mit fürstlichen Gnaden im Hils als Nagelschmied angesiedelt wurde, um die zu gründende fürstliche “Glasehütte am grünen Plan” versorgen zu können.

Mit der erforschten Familiengeschichte der Benneckensteiner und der Grünenpläner Röger, die auf den gemeinsamen “Berghans” in Hohegeiß zurückgeht, konnte auf Tafeln an der Wand auf die 200 in 13 Generationen zugeordneten Namensträger dieses Röger-Zweiges hier am Orte hingewiesen werden. Hierbei ist dann Tom Röger von 1992 mit seiner Schwester Christine der jüngste Nachkomme seiner Louis-Röger-Linie in Dahl. Weitere Fotosammlungen, Dokumente und Tafeln veranschaulichten sehr eindeutig die weiteren Schritte zum umfangreichen Aufbau einer Familiengeschichte, bei der die Daten von Geburt und Tod nur der Ausgang sein können. Umfangreiches Schrifttum, besonders auch als Abhandlungen zu Themen aus den Familienkreisen und den zwanglosen Folgen der “Blätter”, ergänzen die Forschung. Das 3. Heft der “Röger-Blätter” und die neue Anschriftenlisie zur Kontaktpflege konnten ausgehändigt werden. Mit herzlichem Dank war Herrn Räger bei seinen aktuellen und aufschlußreichen Ausführungen gefolgt worden.

Samstag, den 1. Juni

Bei unserem Vormittags-Treffen im “Haus des Gastes” wurden wir von Herrn Heyder und seinem Mitarbeiter, Herrn Kohlrausch, im Namen des Kultur- und Heimatvereins Benneckenstein begrüßt und mit freundlichen Worten und heimatkundlichen Erläuterungen durch die “Heimatstube” geführt. Mit Belegstücken war auch eine alte Nagelschmiede vertreten, Schriftstücken aus der “Wäschefabrikation Röger”, auch eine Schrifttafel mit der Beziehung der beiden Handwerksorte im Harz und im Hils bildeten weitere Hinweise aus der reichhaltigen und anschaulich zusammengetragenen Sammlung.

Der Stadtrundgang führte uns zunächst zur Gedenkstätte für den großen Sohn der Stadt Andreas Werkmeister, der im damaligen “Flecken” Benneckenstein am 30. November 1645 geboren uwrde. Er brachte es als musikalisches Talent im Orgelspiel und in der Komposition bis zum “Königlich Preußischen Inspektor über alle Orgelwerke des Fürstentums”. Als “Einstein der Musik” gilt er bis heute als Experte für die richtige Stimmung aller Saiteninstrumente. Man konnte durch ihn in Bund Kreuztonarten modulieren, Instrumentenbauer und Komponisten nahmen sich sogleich seiner Erfindung an. Obgleich er die Traditionslinie Bach-Händel-Telemann-Silbermann begründete, flocht ihm die Nachwelt keine Kränze. Sein Denkmal hier entstand zum 350. Jahrestag 1995.

Weiter führte uns der Weg durch die Unterstadt, vorbei am neuen Wohn- und Geschäftshaus von Wolfgang Röger, der nach der Wende seine Firme für Bausanierung, Türen, Fenster und Zäune gründete, zum Kurpark mit dem neuen Musikpavillon, über die Bahnhofstraße. Hier begrüßte uns Ilka Bertl, die Enkelin von Erwin Röger, vor ihrer Boutique. Durch die Wildenbach zur Oberstadt und über die Bauernwiese den Klausberg hinauf gelangten wir zurück zum “Hotel Harzhaus” und den anderen Unterkünften.

Durch die Mietung einer Ferienwohnung hatten wir mit Kontakten zu unseren Wirtsleuten einen Einblick in die wirtschaftliche und finanzielle Lage der Benneckensteiner. Viele Firmen verlagerten ihre Arbeit ins Ausland, um mit Billiglöhnen ihre Gewinne zu steigern. So traf viele Einwohner die Arbeitslosigkeit mit hartem Überlebenskampf.

Der Nachmittag war für die offizielle Hauptversammlung des “Familienverbandes der Röger” vorgesehen. Nach einer Vorbesprechung des Familienrates über den Ablauf und die Punkte der Tagesordnung eröffnete Herr Eike Röger, Bad Lauterberg mit der Begrüßung der Anwesenden die diesjährige Versammlung.

Im Tätigkeitsbericht des Herrn Wolfgang Räger, Bad Lippspringe, kam die Sorge um unsere Familien durch eine “mißverstandene” Demokratie, ein übertriebenes Wohlstandsdenken und eine krankhafte Mehrung des Besitzstandes zum Ausdruck. Erst mit der Wahrung von Achtung, Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Zuneigung in der kleinsten Zelle des Gemeinwesens, der Familie, wird die Zukunft zu meistern sein. Dahin führt das Wissen um das Leben und Wirken unserer Vorfahren, darin liegt der Sinn unserer Forschung und ihre Aufarbeitung.

Die auf Benneckenstein konzentrierte Arbeit konnte jedoch wie bisher fortgesetzt werden und ergab im Raum Rotenburg an der Wümme einen neuen Zweig mit bisher 7 Generationen. Außerdem konnten Kontakte geknüpft und Entdeckungen, auch im Ausland, gemacht werden.

Der von Herrn Dietmar Röger, Stuttgart/Niedernhall vorgelegte Kassenbericht wurde bestätigt und angenommen.

Erfreulicherweise stellte sich Herr Eike Röger, Bad Lauterberg, wieder für den Familienrat zur Verfügung, nachdem einige Aktivitäten seit dem letzten Familientag 1993 in Schwäbisch Hall ruhen mußten.

Die erwünschte Erweiterung um einen Schriftführer nahm Herr Herbert Petersen, Wertingen, mit Wirkung vom 1.1.1997 nach einstimmiger Wahl an.

Es wurde beschlossen, im Rahmen der örtlichen Baumpflanzaktion in Benneckenstein “Zur Erinnerung an das Röger-Treffen 1996” einen schönen Ahorn-Baum zu stiften. Die Pflanzung soll im Herbst im Beisein von Röger-Vertretern als Paten an einem noch festzulegenden Platz erfolgen.

Zum nächsten Ort des Familientages 1998 wurde das neutrale Tauberbischofsheim an der “Romantischen Straße” vorgeschlagen. Heilbronn und Wertheim könnten als Ausweichmöglichkeiten dienen.

Das Abendprogramm eröffnete die “Benneckensteiner Trachtengruppe” im Harzklub-Verein unter der Leitung von Frau Gottstein. Ihre ortsgebundenen Darbietungen als Gesang und Spiel erfreuten uns sehr und wurden mit reichem Beifall herzlich belohnt. Anschließend brachte uns Herr Röhse als Solomusiker beliebte Unterhaltungs- und Tanzmusik in wohlklingender Weise. Die mit tatkräftiger Hilfe der beiden Tobias und Armin durchgeführte Tombola ergab einen schönen Erlös als Beitrag für unsere als bescheiden bezeichneten, unvermeidlichen Unkosten.

Sonntag, den 2. Juni

Zum Gottesdienst trafen wir uns in der St. Laurentius-Kirche des Ortes mit einer Predigt von Pfarrer Ulrich Stabe und Begrüßung und Bezug auf unseren Familientag. In zwangloser Runde im Beisein seiner Frau unterhielten wir uns nach dem Ausklang noch an der Pforte.

Nach dem gemeinsamen Mittagstisch in unserem Hotel mußten wir uns von den liebgewonnenen Röger und der herrlichen Landschaft des Harzes trennen und nach Hause fahren.

Bis zum nächsten Treffen! In Tauberbischofsheim?!

Hüffenhardt, im Juni 1996
Anita Eckert, geb. Röger

Quelle: “Röger-Blätter zur Geschichte der Familien”, Bd. 4 (Januar 1998), S.123, Eigenverlag